Patty und Sascha waren im Juni beim Cup of Excellence in Costa Rica. Wir wollen wissen, wie es war und was uns diesen Sommer geschmacklich erwartet.

Cup of Excellence 2015

Was war Euer Eindruck der Kaffeequalität Costa Ricas im Allgemeinen? Welche Richtung schlägt der specialty coffee Bereich ein? Sind Euch geschmackliche Veränderungen aufgefallen?

Patty:
Was mir beim cuppen der Cup Of Excellence Kaffees auffiel ist, dass die costa-ricanischen Kaffees in den letzten Jahren ihre Komplexität ausbauen konnten und viele mit einer geschmacklicher Vielfalt geglänzt haben. Auch findet man auf den Farmen, viele neue Varietäten. Diese Entwicklung beobachten wir mit Spannung und Neugier.

Sascha:
Dieses Jahr haben es über 60 Kaffees in die internationale Jury geschafft. Das war Rekord! Man sieht daran auch, dass viele Farmer mehr und mehr auf Qualität und nicht auf Masse gehen. Dieses Jahr haben die Kaffees aus dem West Valley besonders gut abgeschnitten. Letztes Jahr waren es die Kaffees aus der Tarrazu Region.


Beim COE selbst war ein viel größerer Anteil an Naturals auf den Tischen. Auch andere Aufbereitungsprozesse, wie zum Beispiel eine anaerobe Fermentation, offenbarte uns ganz ungewöhnliche Geschmacksprofile. Noch vor einigen Jahren bestimmten klare, cleane, gewaschene Kaffees die Tische. Jetzt sieht man völlig andere Kaffees und Prozesse und dadurch, wie eingangs schon gesagt, spannende und neuartige Geschmacksprofile, die da gecupped werden.
Das zeigt auch deutlich die Entwicklung auf dem Kaffeemarkt. Wurden früher solche Kaffees schon in den Vorrunden aussortiert, weil sie als unbalanciert oder fehlerhaft wahrgenommen wurden, schaffen es viele von ihnen jetzt in die Endrunde des Cup Of Excellence. Der Markt öffnet sich also mehr und mehr für Spezialitäten Kaffees, weil es mehr und mehr Abnehmer dafür gibt.
Das freut uns, denn auch wir suchen ja immer nach Einzigartigkeiten.

Patty:
Den dritten Platz hat dieses Jahr ein Kaffee gemacht, der aus einem anaeroben Verarbeitungsprozess stammt. Das Jahr davor bei seinem Debüt war er auch schon auf Platz 7.

Sascha:
Wir haben den Kaffee bei den Cupping Runden immer als “christmas coffee“ bezeichnet, weil er nach Apfelstrudel mit Zimt und Vanillesoße geschmeckt hat.

Sascha Spittel, owner Tres Cabezas
Herrscht unter Euch Zweien geschmacklicher Konsens oder seid ihr oft gegenteiliger Meinung, wenn es um Kaffee geht?

Patty:
Also ich für meinen Teil muss sagen, dass ich mich beim COE neu in costa-ricanische Kaffees verliebt habe. Vor allem in die komplexen Nuancen und Süßen der Naturals. Das hat mich sehr begeistert!

Sascha:
Ich würde sagen, dass wir viel weniger Naturals im Tres Cabezas anbieten würden, wenn Patty sich nicht immer wieder aufs Neue für sie einsetzen würde.

Patty:
Sascha mag eigentlich lieber die klassischen gewaschenen Profile: Saubere, klare Tassen mit prägnanten aber besonderen Geschmacksmerkmalen.

Also eher kein Konsens?

Beide: Nein.

Sascha:
Aber es ist gut, dass wir so unterschiedlich sind, so haben wir beides hier. Dieses Jahr haben beim Cup Of Excellence übrigens die Kaffees aus dem West Valley besonders gut abgeschnitten. Meine Lieblingsregion. Letztes Jahr waren es die Kaffees aus Tarrazú, die überdurschnittliche Qualitäten hatten.
In unserem Container, der in den kommenden Wochen eintrifft, ist ein weiteres Lot, auf das wir uns besonders freuen. Der Cup of Excellence Gewinner aus 2014, Finca La Mesa von der Familie Navarro aus La Bandera de Dota de Tarrazú. Eine dreifach gewaschene Tipica Varietät.

Patty: La Mesa hat dieses Jahr leider nicht teilgenommen, deshalb freue ich mich auf die Bohnen.

Sascha: Die sind der Hammer.

Patty: Haha! Glaub ich dir.
Patricia, Cup of Excellence

Patty, Du warst das erste Mal mit beim Cup Of Excellence dabei. Auch war es Dein erstes Mal in Costa Rica. Wie war es? Erzähl!

Patty:
Ich glaube im Zuge des Cup Of Excellence nach Costa Rica zu fliegen, war für mich das Beste, was mir passieren konnte. So konnte ich nicht nur feinste Kaffees cuppen, sondern hatte auch die Möglichkeit Fincas und Beneficios zu besuchen, die ich sonst bestimmt nicht gesehen hätte. Ich bin ganz ehrlich begeistert von der Farmlandschaft und den unterschiedlichen Plantagen, die in sich unglaublich diverse Mikroklimabereiche bedienen, dass man es wirklich nur glaubt, wenn man mittendrin steht. Ich habe das Beneficio Santa Eva besucht und bin mit Sascha auf der Finca Las Lajas zu Besuch gewesen. Da gab es für uns allerdings weniger Kaffee und viel mehr „Guaro Contrabando“ (selbstgebrannter Schmugglerschnaps). Wir werden auch bald Villa Sarchi Kaffeebohnen ihrer berühmten Natural Marke „La Perla Negra“ im Tres Cabezas haben. Freu ich mich drauf!

Können wir diesen Sommer noch andere Costa Ricaner im Tres Cabezas
trinken?

Sascha:
Ja! Unbedingt! Wie jedes Jahr wird es die tollen Kaffees der Hacienda Sonora geben. Dieses Jahr konnten wir die gesamte Produktion der Villalobos Naturals erstehen. Sowohl für unseren “Wild at Heart”, als auch für einen Single Origin Espresso ist dieser Kaffee ein absoluter Überflieger.
Außerdem bekommen wir verschiedene Lots, Naturals und Washed, im vierten Jahr von der Organic Farm „Las Lajas“ aus Alajuela. Und wir arbeiten das erste Jahr mit einem neuen Produzenten Don Giovanni aus dem West Valley. Sein Kaffee ist ein „Balazo“, ein echter Knaller. Gute Aussichten also!

Danke fürs Gespräch.

Patty: Immer gern.